
Nichts deutete in
meinem Leben darauf hin, dass ich einmal mit einer Krankheit
zu kämpfen hätte, die auch heute noch in unserer
Gesellschaft auf Unsicherheit, Ablehnung und Verachtung
stößt.
Ich war jetzt achtunddreißig Jahre alt, hatte noch keinen
Führerschein und wollte diesen nun unbedingt erwerben. Vor
jeder Fahrstunde war ich so angespannt, dass ich vorher
immer einen kleinen „Schluck“ zur Entspannung brauchte.
Ich habe mich gewundert, dass mein Fahrlehrer nie etwas
davon gemerkt hat.
Inzwischen war ich Anfang Vierzig und hatte mein Leben aus
den Augen verloren. „Ist das alles, was du vom Leben
wolltest?“, fragte ich mich häufig und wurde immer
unzufriedener und unglücklicher.
Das einzige, was
meine Stimmung dann kurzfristig aufhellte, war der Alkohol -
„mein Freund und Helfer“.
Doch durch den wiederholten Genuss wurde meine Abhängigkeit
zu ihm immer stärker, denn er sorgte ja dafür, dass es mir
durch ihn einigermaßen gut ging.
Aber gleichzeitig fühlte ich mich körperlich und seelisch immer
schlechter.

Ich nahm mir vor,
mich zu Hause endgültig vom Alkohol zu trennen. So konnte es
schließlich nicht mehr weiter gehen. Da sagte meine innere
Stimme: „Warum erst zu Hause, tue es doch gleich!“
Doch bei diesem Gedanken geriet ich in totale Panik. Wieder
zu Hause, wollte ich den Entschluss, den ich im Urlaub
ernsthaft gefasst hatte, auch in die Tat umsetzen, und
setzte mich mit meinem Mann zusammen.
Wir
entwickelten eine Strategie für einen Weg aus meiner Sucht!
Zusammen mit meinem Mann wollte ich ab jetzt versuchen, den
Alkohol wieder „kontrolliert“ zu genießen. Ich glaubte
tatsächlich, weil ich nun offen über meine Abhängigkeit
gesprochen hatte, würde es mir gelingen, zu einem normalen
Alkoholgenuss zurückzukehren.
Doch „kontrolliertes Trinken
gelingt einem Abhängigen leider nicht mehr!“
Aber ich war damals fest davon überzeugt, dass es bei mir
funktionieren würde. Ich schrieb auf, wann und wie viel ich
am Tage trinken musste, um mich entspannt und ruhig zu
fühlen.
Das besprach ich
dann Abends mit meinem Mann, denn ich wollte
weder ihn noch mich belügen!
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